Ach, und James? Diese widerlichen Gedanken, hinfort mit ihnen!

Neulich saß ich bei S. und erzählte über meine Technik, wie ich belastende Gedanken oder Emotionen weiterschicke: Auf Servier-Tablets mit Prosecco drauf.

Manchmal auch mit Schirmchencocktails. Das liegt mir weitaus mehr, als betend einen Rosenkranz in der Hand zu halten. Ist auch einfacher und näher an meinem Leben dran, als ein paar Perlen mit JC am Kreuz.

Das Beispiel
Ich stehe oft im Stau. Warten ist für mich im Allgemeinen eine tierische Herausforderung. Warten an der Kasse, an der Bahnschranke, auf einen Anruf, bis mein Hund endlich einen bequemen Platz ins Sitzkissen getrampelt hat. Die Liste ist endlos. Dabei ertappe ich mich, dass ich gerne mal (gedanklich oder auch ausgesprochen) meine Mitmenschen korrigiere und auf alternative Verhaltensweisen aufmerksam mache. Sprich: ich motze rum.

Nun ist herummotzen, innerlich oder nach außen, in mehrfacher Hinsicht beknackt. Einmal, weil ich mich selbst damit vergifte und zum anderen, weil ich mein Gift auch noch anderen Menschen verabreiche. Ich trage damit zur Vermüllung der Gesellschaft bei – und das finde ich weitaus schlimmer, als die Alternative: Den belastenden Gedanken einfach wegziehen lassen. Samt Emotionenschwung elegant auf ein imaginäres Tablett gelegt, nimmt es das Leben mit sich hinfort und tut damit, was es will. Ich bin den Müll im besten Fall los.

Die Theorie
Negative, belastende Gedanken tragen entsprechende Emotionen mit sich. Das sind die Kameraden, die Dich mit ihren Pfeilen traktieren und Dich immer wieder an etwas Unangenehmes erinnern. Gib ihnen ein Gesicht, eine Form, eine Stimme, einen Geruch und Geschmack. Oder nur eins davon, is wurscht für den Anfang. In ihr Gepäck packst Du die Emotion, das Gefühl, das sie mit sich tragen.

Und dann stellst Du Dir das Leben vor, das ganze Universum. Oder einen seiner Butler. Ja, das Leben schickt Dir gern einen gut angezogenen Butler, der mit einem Tablett in der Hand und einem Gläschen Prosecco, Wein, Tee oder Fidji-Island-Wasser daherkommt. Er bietet Dir im Tausch gegen Deine Erfahrung mit diesen Gedanken und Emotionen etwas an, das Du gerne magst. Tafel Schokolade geht auch.

In jedem Glas und jeder Packung stecken Ruhe und Gelassenheit. Tiefe Akzeptanz der Situation.

Der Deal ist: Du wirst die Motz-Kameraden los, indem Du Dir vorstellst, dass Du sie mit der einen Hand auf das Tablett gibst und mit der anderen das Tauschgeschenk abholst.

Nee, kein Witz. Nackte Wahrheit. Funktioniert.

Die Praxis
Jetzt bist Du dran. Fang klein an. Gerade Supermarktkassen eignen sich prima. So Momente, in denen die Rentnerin im Feierabend ihren Großeinkauf macht und dann motorisch eingeschränkt in ihrer Omahandtasche nach der Geldbörse sucht. Wenn sie schließlich nach passendem Kleingeld kramt, ihre Brille aber zu Hause vergessen hat und deshalb die Kassiererin bittet, das Geld passend raus zu suchen. Während Du eigentlich schnell heim willst, um den Tag endlich auf dem Sofa ausklingen zu lassen.

Groß anfangen wäre, inmitten einer Demonstration der Gegenpartei Deiner Wahl zur Ruhe zu finden.

Got it?

This one goes out to all of my fellow wanderers who never got lost.

  1. BIRGIT brunner says:

    Cool ich mag die Sprache und den Inhalt auf listenwritesail sooo gerne. Danke Sabrina und Jörn fürs teilen … So Schön zu lesen, nie künstlich und super sorgsam ???? Während mir am Sofa die Nase läuft versuche ich gerade hinzukucken wieso mein schlauer Körper diese AuszeitKarte gezogen hat und hab da auch schon so ne Idee ???? Besonders geklatscht und ja wohl gesagt habe ich beim letzten Beitrag wegen dem *die Anderen* … mit denen habe ich so das eine oder andere sinnlose Stündchen verbracht. Unbedingt weiter so …

    • Sabrina says:

      Liebe Birgit, nachdem wir gerade vom schönen Walchensee und einer kleinen Auszeit zurück sind, kann ich nur empfehlen: AB IN DIE SAUNA! Gute Besserung für Dich, pass auf Dich auf.

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