5 Wege um das Leben zu verstehen

Ein ultimativer Umgang mit den Ups and Downs

Das eigene Leben zu erkennen und ihm dann auch noch die Hand zu reichen, ist schwer. Ich habe noch nie jemanden getroffen oder über jemanden gelesen, der behauptet hat, dass er schon immer auf dem richtigen Weg war. Immer die besten Entscheidungen getroffen oder niemals gezweifelt hätte. Ich habe für mich einen Umgang mit den Tiefs im Leben entdeckt, der mir Gelassenheit liefert.

Wir alle zweifeln manchmal an uns, fühlen uns betrogen oder am Ende unserer Kräfte. Das ist eines der Gesichter des Lebens. Es besteht nicht nur aus heiteren Momenten, sondern auch aus den Tiefen der Tiefs. Je weiter wir wachsen, desto weniger lange halten wir uns in den Tälern auf. Wir kommen dann viel schneller wieder nach oben und bleiben länger auf der Spitze des Hochs. Entscheidend ist für mich, genau diese Erkenntnisse bei mir zu tragen:

1. Logik ist nur ein kleiner Teil des Lebens
Irgendwie war ich dem Irrglauben verfallen, dass Logik alleine meine Wegrichtung bestimmte. Das Leben fand meine Sichtweise so derart daneben, dass es mir stetig Steine, Hindernisse und ordentlich harten Aufprall lieferte, wenn ich mich weigerte, auf meinen Bauch zu hören. Schön feinsäuberlich hatte ich meine Schulzeit, Studium und die Zeit danach auf dem Reißbrett geplant. Letztlich wusste sich das Leben nicht mehr anders zu helfen, als mich so krank zu machen, dass ich nicht mehr anders konnte, als zu liegen und zu zuhören. Damit mir das nicht mehr in diesem Ausmaß passiert, höre ich dem Leben wann immer es geht, sehr gut zu. Meistens morgens zwischen 6 und 7 Uhr, bei einem guten Kaffee. Wenn ich dem Leben zuhöre, weiß ich, was es will. Das erspart mir schwerwiegende überraschende Momente.

2. Krankheit liefert Nachricht vom Leben
Am Anfang schreit der Verstand Zeter und Mordio, wenn er den Impulsen aus dem Bauch heraus Platz machen soll. Später ist er dankbar, wenn er mal ausruhen darf. Vom Leben habe ich gelernt, dass es mich krank werden lässt, wenn ich nicht von selbst anhalte um Kraft zu tanken. Ich nehme diesen Wink von meinem Leben heute sehr ernst und schiebe auch kleine Erkältungen oder Allergien nicht mehr beiseite. Ich gebe ihnen die Zeit und Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Letztlich tragen sie alle immer eine Botschaft mit sich. Manchmal erkenne ich früher, manchmal später, worum es sich dreht. Wenn ich dem Leben die Erlaubnis gebe, mir über Krankheiten Nachrichten zu übergeben, dann geht es mir besser.

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3. Anhalten bedeutet keine Stagnation
Es gab Zeiten, in denen ich niemals das Handy ausgeschaltet oder Termine abgesagt hätte, wenn es mir so schlecht ging, dass mein Körper streikte. „Da musst du jetzt durch“ oder „Sei keine Memme“ waren Sätze, die mich dann begleiteten. Ich war der festen Überzeugung, dass eine Pause bedeutete, dass ich von anderen abgehängt werden würde. Wer die anderen waren oder von was ich abgehängt war, hinterfragte ich damals nicht. Das Leben hat mir beigebracht, dass Anhalten ein Innehalten und lauschen auf die eigenen Bedürfnisse bedeutet. Dass solche Pausen einfach Überprüfen bedeutet. Es ist nicht Stagnation sondern Wachstum, was daraus hervorgeht. Es bedeutet für mich auch, mich selbst zu respektieren. Wenn ich dem Leben die Chance geben, mich während einer Pause zu beraten, dann halte ich gerne an.

4. Positive Absichten sind hinter allem verborgen
Das Leben hat mir glaubhaft vermittelt, dass es nur mein Bestes will. Es will mir helfen, genau diejenige zu werden, die ich sein kann. Dabei geht es um Erfahrungen, die ich machen darf, um wachsen zu können. Das Leben und ich sind Sparringpartner. Es ist genauso scharf auf mein Wachstum, wie ich selbst. Wir haben den Deal, dass ich nur die Dinge erlebe, die ich auch verkraften kann. Hin und wieder fragt mich das Leben, ob ich diese oder jene schreckliche Erfahrung schon machen kann – und ich schaue mir vertrauensvoll an, was es von mir möchte. Manchmal, wirklich nicht oft, zeigt es mir Herausforderungen, für die ich mich echt nicht gewachsen fühle. Dann bitte ich das Leben, noch zu warten. Oder jemand anderen zu fragen, ob er die Erfahrung übernehmen kann. Menschen können Aufträge vom Leben auch mal ablehnen und diese Gewissheit lässt mich gelassener sein.

5. Wunschkonzert ist inklusive
Das Leben IST ein Wunschkonzert. Mir sind die Regeln nach wie vor nicht ganz klar, ich vermute sogar, dass man als Mensch zu Lebzeiten nur selten das System gänzlich begreift, nachdem das Leben agiert. Das ist auch nicht weiter schlimm, finde ich. Was ich herausgefunden habe ist, dass ich ganz, ganz vorsichtig damit bin, das Leben um bestimmte Dinge zu bitten. Wenn man sich gut kennt, dann nimmt einen das Leben beim Wort. Beim Gedanken, beim Gefühl. Es vertraut darauf, dass wir eine kluge, stimmige Anweisung erteilen. Dass der Arbeitsauftrag ernst gemeint ist. Ein chinesischer Fluch lautet „Mögen sich all Deine Wünsche erfüllen“. Ich bitte das Leben deshalb jeden Tag darum, mich jene Erfahrungen machen zu lassen, die ich brauche, um meinem Traum nah zu sein. Wenn es dazu ein paar Katastrophen braucht, die ich erleben muss, dann vertraue ich meinem Kumpel Leben, dass es mich hindurchführt. Ich vertraue genauso darauf, dass es mir Zeichen schickt, wenn ich auf dem richtigen Weg bin.

enjoy life

Mein Fazit
Ich sehe das Leben gleichzeitig als Auftraggeber und Auftragnehmer. Mich übrigens auch, dem Leben gegenüber. So entstand über die letzten 35 Jahre eine wechselseitige Beziehung zwischen uns beiden, die geprägt war von Hochs und Tiefs. Im Wechselbad der Gefühle stritten wir, feierten Versöhnung, umarmten uns. Auch wenn wir uns die Existenz hin und wieder schwer machten, irgendwann kannten wir einander so gut, dass wir uns vertrauten. Auch in schweren Zeiten. Das Leben gehorcht seinen eigenen Regeln. Es hört uns dabei dennoch gut zu und liefert, was wir gerade brauchen. Manchmal auch Erfahrungen, auf die wir echt keinen Bock haben. Oftmals erkennen wir erst viel später, wie wichtig diese Erlebnisse waren und wie sehr wir durch sie gereift sind.

  1. Jaqueline says:

    stimmt schon. es ist halt nur so schwer in manchen momenten auf das licht am ende des tunnels zu gucken. als meine tante gestorben ist zum Beispiel, ging es allen sehr schlecht um mich herum, einschließlich mir. und wenn man nur menschen um sich herum hat, die auch trauern oder mies drauf sind, ist es noch schwerer, wieder da raus zu kommen.

    • Sabrina says:

      Liebe Jaqueline, das kann ich gut nachvollziehen. Gerade der Tod oder schwere Krankheiten nehmen uns besonders in den emotionalen Schwitzkasten. Manchmal kommen finanzielle Probleme direkt mit dazu. Es ist unglaublich hart – dennoch sind sie Teil unseres Lebens. Entscheidens ist für mich immer, wie lange ich im Tal der Tränen bleibe. Es ist eine Entscheidung, die ich treffe. Ich kann mich entscheiden, ob ich am Boden liege bleibe oder aufstehe. Alleine das Privileg zu haben, dass ich überhaupt entscheiden KANN (viele Menschen können das nicht!), gibt mir einen Impuls zum Bewegen. Ich habe schlichtweg keine Lust in einem derartig priviligierten Teil der Erde zu leben, ohne die Chancen zu nutzen, die mir das bietet 😉 In diesem Sinne: Ich wünsche Dir immer das Quäntchen Kraft das es braucht, um Dich zu bewegen.

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