Kreditkartenkarma versus Nachtruhe – sowas gibt´s

Nachdem ich mich vor zwei Tagen auf Liberty Island und Ellis Island in der Vergangenheit der Stadt bewegt habe, hat sich New York City gedacht: “So, jetzt fragen wir das Mädel mal, ob sie immer noch Bock auf uns hat!” Begonnen hat das Ganze mit einer Kreditkarte, die das Leben mir einfach so in die Hände gespielt hat, damit ich…shoppen gehe, nehme ich an. Als ich das Plastikkärtchen bei der zugehörigen Bank abgab, standen dem Mann am Counter Tränen der Rührung in den Augen und eine Lobeshymne der Wertschätzung seinerseits begleitete mich zum Ausgang. Ob es nun Naivität ist oder eine von mir nimmer mehr hinterfragte Wertekonstruktion, eins ist sicher: Die polternde Asiatin um 1 Uhr nachts an meiner Schlafzimmertüre, die hatte ich wirklich nicht verdient. Das kam so:

Ich hatte meine Eltern zum Essen eingeladen, in meinen Hallen im sechsten Stock des POD 39. Es ist recht spät geworden gestern, für unsere Verhältnisse. Schließlich stehen wir um 5.30 Uhr auf, da bist Du fertig wie´s Brot um 22 Uhr. Wir schoben uns also unser letztes Stückchen Bagel in den Mund und tranken das letzte Schlückchen Wein und Bierlein in meinem Zimmer, um den Tag würdevoll zu verabschieden. Papa hatte die Türe noch nicht ins Schloss gezogen, als von draußen der Geruch von…frittierten Hühnerbeinen hereinzog? Mit Seetang umwickelt? Das Leben schickt Dir manchmal Botschaften, die Du einfach nicht im Moment erkennst. Die Erkenntnis kommt dann meist später. Ich hätte es ahnen müssen.

Merke: Nie das Wasserglas direkt neben der Türe vergessen
Ich schloss das Fenster und fiel bleischwer ins Bett. Mama und ich hatten Macy´s in den Knochen. Papa auch, vom hinterherlaufen (danke, Papa!). Jedenfalls umhüllte mich der süße Schlaf, bis mich ein unaufhaltsames Stakkato wach rüttelte. Es klopfte. Laut, energisch, durchdringend und wild entschlossen. Ich schielte auf die Uhr. 1 Uhr. Hätte ich gewusst, was als nächstes passierte, ich hätte vorher ein scheißkaltes Glas Wasser bereit gehalten, um es dem Mädel schwungvoll und nicht minder wild entschlossen ins Gesicht zu kippen.

Ich öffnete die Türe und siehe da: Schon wieder eine jener, deren Körper einfach weder für Kuhmilch noch Obstgärprodukte ausgelegt ist. Nur diesmal wollte sie in mein Zimmer und realisierte ihre Irrung erst, als mein Sturm über sie hereinbrach. Sie wird sich nie wieder in meine Richtung verirren. Nie, nie wieder. Sicherheitshalber steht jetzt ein Glas kaltes Wasser direkt neben meiner Türe. You never know…

Heute Morgen geht also alles ein bißchen langsamer, was vielleicht ganz gut ist, um die Welt aus Papas Gemütlichkeit zu betrachten. Ich trinke verdammt viel Wasser, um auch Mamas Welt der stets gut gefüllten Blasen zu erforschen. So entwickle ich vermutlich ein tiefes Verständnis für das Anhalten, wenn andere noch schnell über die Straße flitzen, bevor die Ampel auf rot schaltet. Oder einen Blick für Toiletten und ihre Sauberkeit auf einer Skala von 1-10.

New York City, liebes Leben, netter Versuch aber… sucht Euch wen anders. Ich hab noch Bock.

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