Wie man nach den Sternen greift

Wie ich lernte, nach den Sternen zu greifen und damit Erfolg zu haben (Aus: Die Glückswelle surfen)

Um die Sterne noch besser sehen zu können, kletterte ich auf Balos Kopf. Der Meeresgigant streckte sich soweit er konnte aus dem Wasser, damit ich dem Himmelszelt möglichst nahe sein konnte. So stand ich nun, die Arme zum Himmel gereckt mit den Sternen zum Greifen nah. Da geschah das Unfassbare, das Unmögliche, das Unbegreifliche. Einer der Sterne löste sich vom Mantel der Nacht und landete direkt in meinen Händen. Ich verlor das Gleichgewicht und taumelte unter der Wucht des Aufpralls meiner ersten Stärke.

Ihr Name ist Empathie.

Empathie Liebe Heinrich Heine
Vorsichtig legte ich meine Empathie auf Balos Rücken. Sie sah so zart und zerbrechlich aus, beinahe durchsichtig.
„Balo, was soll ich nur mit ihr machen? Sie wirkt so schutzlos.“
Der Stern leuchtete bei meinen Worten noch heller, ganz als wollte er sagen, dass ich mich tierisch irrte.
Irrte ich mich etwa?
„Leg dich zu ihr, ich passe auf euch auf“, riet Balo.
Also rollte ich mich auf dem Rücken meines Freundes zusammen, direkt neben meiner Empathie. Die hielt es nicht eine Sekunde ohne Körperkontakt aus und kuschelte sich dorthin, wo die Menschen behaupten, dass darunter das Herz verborgen liegt.

Balo sagt, dass die meisten Empathie-Sterne das Herz als Zuhause wählen. Manche wohnen lieber im Bauch. Es gibt Menschen, deren Empathie kaum vorhanden ist, weil ein anderer Stern dort Platz genommen hat. Balo sagt, dass das seine Richtigkeit hat. Dass alles seine Richtigkeit hat und ich mir keine Gedanken darüber machen soll, welchen Sinn ein Leben ohne Empathie hat. Das sei nicht meine Aufgabe und seine auch nicht. Trotzdem schmerzt es mich oft zu sehen, wie rücksichtslos Menschen manchmal sind. Balo sagt, dass ich das nur sehen kann, weil mein Empathie-Stern so hell leuchtet. Weil ich gesehen habe, wie durchsichtig und durchlässig sie ist, weiß ich jetzt auch, warum mich das Leid auf dieser Welt genauso trifft, wie jeder Funken Freude. Ehrlich, wenn Du auch einen Empathie-Stern vom Himmel gepflückt hast (es mag sein, dass Du Dich nicht mehr daran erinnerst!) wünsche ich Dir, dass Du dankbar für diese Stärke bist. Sie lässt Dich das Leben intensiv fühlen. Du kannst jederzeit das hautnah miterleben, was andere Menschen glücklich macht. Du kannst sie verstehen, ohne dass sie sprechen. Du blickst meilenweit tiefer in sie hinein, als Menschen mit kleiner oder keiner Empathie. Du kannst ganz leicht das geben, wonach sich alle Menschen sehnen: Liebe und menschliche Nähe. Das ist kein Fluch, das ist eine Gabe.

Stärken sind Geschenke, die niemand fürchten muss
Balo sagt, dass jede Stärke ein Geschenk ist. Er hat mir auch erklärt, dass viele Menschen Angst vor ihren Stärken haben, weil ihr Sternenlicht so hell leuchtet und beinahe blendet. Ich habe ihm geraten, dass es vielleicht weniger Angst einflößend wäre, wenn er den Leuten nicht so einen Schrecken einjagen würde, wenn er auftaucht – und sie vermutlich eher geneigt wären, auf seinen Rücken zu klettern, wenn man nicht ins kalte Wasser springen müsste dafür.

Da hat er nur gelacht und entgegnet, dass das Leben kein Ponyhof sei und die Ziege auch einen langen Schwanz haben wollte. Ich solle mal gucken, was sie stattdessen gekriegt hat.

Manchmal nervt Balo.

Als die Empathie und ich uns einig waren, an welcher Stelle meines Herzens sie einziehen sollte, war ich bereit, meine nächste Stärke kennen zu lernen. Es lag wohl in ihrer Natur, dass sie mit einem jenseits Feuerwerk  und in den schillerndsten Farben und Tönen direkt neben mir und Balo im Meer einschlug, sodass wir ordentlich durchgeschaukelt wurden. Gestatten, es stellte sich vor:

die Kreativität.

creativity Kreativität Albert Einstein

Ich mache es kurz, schließlich ist sie offensichtlich. Balo sagt, dass kreative Menschen die Welt verändern. Von den einen als Querulanten empfunden, lösen sie in anderen Bewunderung und Begeisterung aus. Balo nennt mich ein bisschen wirr im Kopf von Zeit zu Zeit. Ich selbst bezeichne meine kleinen Auszeiten als Ausflug in ein Überjetzt. Das ist der Ort, wo mein Papa und mein Bruder… nein, lassen wir das. Das führt zu weit.

Falls Du den Stern der Kreativität in Deinem Leben hast, gib ihm die Freiheit zu entscheiden, wie er aussehen mag. Lass ihn leuchten, wann immer er will. Gib ihm die Zeit, sich zurück zu ziehen und auch die Erlaubnis, sich zeigen zu dürfen. Die Welt braucht jemanden, der ihr Gesicht verändert. Vielleicht bist Du es ja?

Da Kreativität den Hauptteil meiner Reise gestaltet, kann sie auch damit leben, an dieser Stelle weniger Platz eingeräumt zu bekommen, als meine nächste Stärke. An ihr hatte ich weitaus mehr Zweifel, als sie in mein Leben trat, als an der selbstverständlichen Kreativität in meinem Leben.

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Manche Sterne wollen gar nicht gepflückt werden
Im Gegensatz zur Kreativität also, ließ sich meine nächste Stärke nicht so einfach blicken. Es war schon so lange nichts mehr passiert, dass ich ungeduldig wurde. Das merkte Balo natürlich und bald ging ich ihm so sehr auf den Keks, dass er kurz davor war, Kurma zur Unterstützung zu rufen, als mir am Nachthimmel etwas Seltsames auffiel.

Ein neuer Stern war aufgetaucht. Ich hätte schwören können, dass der Stern vorhin noch nicht da gewesen war. Balo sagte, er leuchtete schon die ganze Zeit genau an dieser Stelle, ich hätte nur nicht richtig hingeschaut. Wie dem auch sei, dachte ich, und bat ihn, mich näher an den Himmel zu bringen.

Dieser Stern machte es mir wirklich nicht leicht. Anders als die Empathie und Kreativität, war dieser hier weder besonders zart noch bunt. Dieser hier war massiv, schien felsenfest verankert im Firmament der Dunkelheit und strahlte eine Mächtigkeit aus, die mich einschüchterte. Wie sollte ich nur an ihn herankommen? War er überhaupt für mich gedacht?

Balo spürte meine Unsicherheit.
„Woher weißt du, dass er für dich gedacht ist?“ fragte er mich.
Das war ja das Problem! Ich wusste es nicht.
„Was ist es, das dich an ihm fasziniert? Was spricht dich an?“ wollte er nun wissen.
„Er ist anders, als die anderen. Er scheint seinen festen Platz schon zu kennen. Er ist Stärke und Kraft. Die anderen reihen sich um ihn herum, er führt sie an, ohne sich über sie zu stellen. Er leuchtet weniger hell als die anderen, trotzdem wirkt er strahlender auf mich. Er gehört nicht zu den Majestäten unter den Himmelskörpern, er führt keine Massen an. Dennoch: sogar die Könige unter ihnen blicken wohlwollend auf ihn“, sprudelte es aus mir heraus.

Balo ließ mir noch einen Moment Zeit.

Dann antwortete er:
„Du blickst auf den Stern der Bestimmung. Manche nennen ihn den Lebensauftrag, andere Schicksal oder Berufung. Welchen Namen du ihm auch gibst, jetzt wo du ihn gesehen hast, wird dein Leben mehr und mehr einen Sinn für dich ergeben. Mal wirst du sofort Zusammenhänge erkennen, manchmal erst später. Der Stern der Bestimmung ist der Leitstern Deiner Stärken.“

Ich kenne den Grund nicht, weshalb ich den Blick vom Stern der Bestimmung nahm und stattdessen an mir selbst herunterschaute. Wahrscheinlich aber tat ich es, weil ich leuchtete. Von innen.

Bestimmung Schicksal Zufall Lebensauftrag Sinn des Lebens

Balo sagt, dass der Stern der Bestimmung nicht dazu gedacht ist, dass man ihn vom Himmelzelt pflückt. Das sei nicht nötig, sagt er. Schließlich trägt jeder Mensch in jeder Faser seines Körpers den eigenen Lebensauftrag stets bei sich. So sei das Erkennen dieses Sterns nur eine liebevolle Erinnerung daran, dass wir Menschen einen Grund haben, weshalb wir hier auf der Erde sind.

Am Ende dieser Nacht trug Balo mich sanft zu meinem Boot zurück und ich kletterte überwältigt von den Ereignissen müde auf mein schwimmendes Zuhause. Als ich mich in meine gemütliche Koje legte, da wusste ich, dass dieses Boot niemals untergehen würde. Dass es Angriffe von außen übersteht. Meine Stärken würden mich tragen und begleiten, überallhin. Würde ich das jemals bezweifeln, hätte ich einen Nachthimmel mit Sternen, der mich daran erinnerte, dass dieses Leben einen (unfassbaren) Sinn machte.

In dieser Nacht träumte ich vom Mantel der Nacht und seinen unzähligen Gestirnen. Im Traum flogen mir Gelassenheit, Kraft, Ausdauer, Zuversicht, Geschwindigkeit, Power, Energie, Humor und noch viele Sterne mehr in die Arme.

Als ich am nächsten Tag erwachte, war mein Boot übersäht von leuchtenden Himmelsfragmenten.

Teil 1 verpasst? Hier geht es lang.

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